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FRAGEN SIE DR. BOB - heute: keine Arme, keine Kekse

[Helene van Alster wirft einen vorsichtigen Blick in Dr. Bobs Vorzimmer. Sie hofft, nicht wieder auf diese unsägliche Lissy Milvenschwind zu treffen, die kürzlich zotige Bemerkungen über Helenes Brustvergrößerung gemacht hatte. Das Vorzimmer ist leer. Erleichtert durchquert Helene den kleinen Raum und klopft an Dr. Bobs Sprechzimmertür.]

A: [Dr. B  streicht sich hastig ein paar Fusseln von seinem neuen Pullover und fährt sich mit den Fingern durch die Haare. Er räuspert sich und gibt sich Mühe, volltönend zu klingen]  Joh, bütte?

Q: [Helene betritt das Sprechzimmer mit kleinen Schritten] Guten Tag, Dr. Bob, ich hoffe, ich bin nicht zu spät.

 A: Aber mitnichten, liebes Fräulein van Alster. Helene! Bitte nehmen Sie Platz. [Er deutet einladend auf die Couch.]

Q: Ach, herrlich, danke, Dr. Bob. [Helene setzt sich und seufzt] Sie glauben nicht, was für ein Verkehr heute wieder herrscht! Manchmal denke ich wirklich, ich bin nicht zum Stadtmenschen geboren.

A: [Dr. B legt den Kopf von links nach rechts und lächelt entwaffnend.] Aber, aber, liebe Helene. Da interpretieren Sie sicherlich etwas zu viel hinein. Sie sind doch so anpassungsfähig! Nun, apropos, womit kann ich Ihnen denn heute dienen? Wie fühlen sich die neuen Brüste an?

Q: Ähm … Bitte, wie?  

A: [Dr. B ist sein Lapsus sichtlich peinlich. Er räuspert sich zu laut. Trinkt einen Schluck Wasser, schluckt zu laut.] Hahaha, da ist man Therapeut so gewohnt von Gefühlen zu reden, daß man tatsächlich nicht vor solchen Faux-Pas gefeit ist, wie man merkt. Hahaha. [Lacht zu laut.] Das ist das, was Freud als „Fehlleistungen“ zu bezeichnen pflegte ...

Q: Ja, aber sagte Dr. Freud nicht auch, daß es sich bei Fehlleistungen um „vollgültige psychische Phänomene“ handele, die „jedesmal Sinn und Tendenz“ haben?

 A: Meine liebe Helene, Sie erstaunen mich wirklich in jeder Sitzung! Ausgezeichnet! Ja, Freud sagte dies tatsächlich in seiner Erläuterung zum Interesse an der Psychoanalyse. Sie widmen sich den großen alten Meistern der Psychologie?

Q: [Helene fühlt sich unsicher. Eigentlich hatte sie nur etwas Mitleid für ihre Parkplatzsuche gewollt. Nun hat sie den Diskussionsfaden verloren.]  Ach nein, nur was man mal so liest. Sie wissen schon … gefährliches Halbwissen. [lacht verlegen.] Worüber ich aber sprechen wollte, Dr. Bob …

 A: [Dr. B. ermahnt sich innerlich, einfach mal die Fresse zu halten.] Mh?

 Q: Dr. Bob, mein Ex-Verlobter hat mich kontaktiert und ich weiß nicht recht, wie ich mit der Situation umgehen soll. 

A: Oh. Was ist denn sein Anliegen?

Q: Ach. Ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern, Marius und ich hatten uns ja getrennt, weil ich … weil er ... ich meine, es war …  

A: [Dr. B macht eine auffordernde Geste.] Ich erinnere mich sehr genau, aber es ist wichtig, daß Sie es sagen, liebe Helene.

Q: [Helene schaut zu Boden] … weil er eine Affäre mit seiner Steuerfachgehilfin hatte.

A: Und?

Q: [leise] Und seiner Podologin.

 Q: Und??

 A: [Helene wird kiebig] Und seiner Hairstylistin!

Q: [Dr. B insistiert]  Und????

 A: Und seiner … [Helene van Alster springt von der Couch auf und lehnt  sich  auf Dr. Bobs Schreibtisch. Sie spuckt vor Zorn.] UND SEINER VERDAMMTEN HAUTÄRZTIN, DIE KEINE ARME HAT UND MIT DEM MUND UNTERSUCHT! HA!HA!HA! Herrjeh, Dr. Bob, muß ich denn nun wirklich alles aufzählen, von Fußpflegerin bis Bäckersfrau, die er über  der Kuchentheke genommen hat, damit sie sich beide dabei die Donauwelle  in der Auslage betrachten konnten??? Das kann ja wohl nicht ihr Ernst sein! Ist das Ihre Form von emotionalem Gaffen? Wollen Sie mir verdeutlichen, daß meine Verlobung eine emotionale und psychische Massenkarambolage war?? [Sie dreht sich abrupt um und stakst zurück zur Couch.] Bittesehr! Dann haben wir das ja nun geklärt. Kann ich jetzt mein Problem schildern oder möchten Sie noch hören, was die Podologin eingeölt hat - außer Marius‘ Füßen???

 Q: [Dr. B nimmt seine Brille ab und fängt an, sie zu putzen. Grausamerweise meint er, die Spiegelung einer Donauwelle im Brillenglas zu erkennen. Er sitzt seine Sehhilfe schnell wieder auf, bevor sich eine armlose Hautärztin spiegelt.] Mein liebes Fräulein van Alster, Helene, ich bitte Sie! Diese konfrontierenden Interruptionen waren therapeutisch wichtig. Natürlich möchte ich Ihnen keinen Schmerz bereiten [möchte er weiß Gott wirklich nicht!] aber Sie neigen dazu, den Fehler zu oft bei sich selbst zu suchen und in dieser Situation mit Marius Freiherr von Bühlerhöhe – Sie sehen, ich erinnere mich genau – liegt der Fehler sehr eindeutig bei ihm! Was wollte er denn von Ihnen?

A: [Helene ist ihr Ausbruch sehr unangenehm] Ach, Dr. Bob, das war unverzeihlich von mir, bitte entschuldigen Sie! Ich habe noch viel Ärger in mir, das merke ich jetzt. Nicken Sie nur, ich weiß, Sie kennen mich besser als ich mich selbst, lieber Dr. Bob. [lächelt, wird dann aber wieder ernst] Was er wollte? Nun, er schreibt, er habe einen Fehler gemacht und ich sei wirklich die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat und er habe sich wirklich geändert. Eine Therapie habe er gemacht, bei einer Frau Dr. Gonzales?, und nun sehe er ein, wie falsch er sich verhalten habe. Er sei ein diagnostizierter Sex-Abhängiger, aber er sei in Behandlung, schreibt er. [Helene holt tief Luft] Sehen Sie, Dr. Bob, sicherlich ziehe ich durch meine vergrößerten Brüste mehr männliche Aufmerksamkeiten und Avancen auf mich, aber es ist bislang einfach niemand dabei, der mich ergänzt, verstehen Sie? Ich werde älter, mein Bekanntenkreis besteht nur noch aus Pärchen und ich merke, wie ich mich zurückziehe. Marius ist galant und gebildet und auch in anderer Hinsicht sehr eindrucksvoll …

Q: [Dr. B presst unter dem Tisch seine Fingernägel in seine Handfläche, doch bevor er es verhindern kann, kontert er] … weswegen er sich von ungefähr 80% seines weiblichen Umfelds  den Rost vom Auspuff polieren läßt! [Er kann nicht fassen, daß er das verbalisiert hat.]

A: [Helene schaut strafend] Dr. Bob, das war nun wirklich unnötig und sehr gewöhnlich! Das schätze ich gar nicht bei Ihnen. Alles was ich sage ist, daß ich nicht die Chance auf eine zweite Chance für mich verpassen möchte, indem ich sie ihm verweigere. Sagen Sie nicht immer, daß Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung ist? Er hat Hilfe gesucht und nimmt sie auch an! Ich denken wirklich, ich sollte …

Q: [Dr. B kann es sich nicht erklären, aber er ist komplett genervt. Innerlich ermahnt er sich zu Contenance, setzt zu einer autogenen Atemübung an, aber irgendwie hat er keine Kontrolle über die Worte, die er ausspricht] Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Ich kenne Frau Dr. Gonzales und lassen Sie mich Ihnen sagen, daß die nun wirklich keine Arme hat, wenn Sie verstehen! Da hat Ihr Marius aber den Bock zur Gärtnerin gemacht! Nach allem, was Sie mir erzählt haben – und wir haben ja lange genug die Trennung aufgearbeitet! – versagt sich Marius Freiherr von Bühlerhöhe jeder sexuellen Impulskontrolle und zwar nicht etwa aus pathologischen Gründen, sondern einfach, weil er ein Narzisst und Egoist ist! Selbstverständlich glaube ich an die Psychoanalyse – sie gestattet Einblick in die Herkunft und den Mechanismus vieler Erkrankungen, ohne Zweifel! Aber im Falle Ihres Marius‘ muß ich es laienhaft ausdrücken und Ihnen als Mann sagen: Der Typ ist ein Vollarsch! Er wird nicht damit aufhören! [fuchtelt vehement mit den Händen in der Luft rum] Lediglich seine Entschuldigungen werden ausgefeilter geworden sein. Natürlich weiß er, was er an Ihnen gehabt hat! Aber vor allem haben Sie ihm die Heimatfront in der Reihe gehalten, während er in fremden Häfen unterwegs war. Er wird das weiter machen, aber nachdem er sich jetzt zu seiner angeblichen "Krankheit" bekannt hat, wird er JEDES MAL darauf verweisen!! Liebe Helene, das Problem ist doch Ihr Selbstwertgefühl! Sie werden sich doch nicht etwa nur deshalb an einen Hallodri binden, weil Ihnen die Decke auf den Kopf fällt! Die Einsamkeit in der Zweisamkeit ist viel schlimmer, wie Sie sehr wohl wissen! Ich kann Sie nur beknien, diesen Fehler nicht wieder zu machen! Er ist doch nicht der letzte Mann auf Erden. Es gibt auch Gute unter uns!!

A: [Helene weiß natürlich, daß Dr. B recht hat. Trotzdem ist sie etwas überfordert von seiner räumlichen Präsenz. Sie versucht einen Witz] Ach, Dr. Bob, nennen Sie mir drei von den Guten beim Namen. [lacht gezwungen]

Q: [Dr. B gesteht sich ein, daß er die Schnauze gestrichen voll hat, auch wenn er nicht genau eruieren kann, von was] Ich schlage vor, liebes Fräulein van Alster, daß Sie nichts unternehmen bis zu unserer nächsten Sitzung und dann schauen wir, wie Sie die Sache mit Abstand sehen. Antworten können Sie dem virilen Marius immernoch.

[Helene van Alster stimmt zu und verläßt das Büro. Dr. Bob zückt sein Blackberry und macht einen Termin bei seinem Therapeuten.]

28.4.09 22:39
 


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